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Kostbarer Schatz

Catalina | Veröffentlicht do Aug 24, 2017 1:23 pm

Ich saß mit einem Kaffee in den Händen im Wohnzimmer in meinem New Yorker Loft. Draußen ging gerade die Welt unter, denn der Himmel schien all seine Schleusen geöffnet zu haben und es kamen Unmengen am Wassermassen herunter.


Der Fernseher lief und es würde gleich „Jimmy Kimmel Live!“ anfangen, eine alltägliche Late-Night-Show und normalerweise schaute ich mir diese nicht an.

Aber heute würde Rob sein Gast sein und das wollte ich mir anschauen. Wenn mein Schatz schon auf der anderen Seite der USA sein musste und wegen seiner Arbeit nicht hier sein konnte, wollte ich mir doch wenigstens das von allen langersehnte Interview anschauen.


Ich war gespannt, was sowohl Jimmy Kimmel als auch Rob aus dem über uns kürzlich erschienen Klatschbericht machen würden.


Rob und ich waren bereits ein Paar, bevor der ganze Rummel um ihn und seine Person anfing. Doch wie durch ein Wunder hatten wir es bis jetzt geschafft, dass nicht ein Wort oder Bild von mir an die Öffentlichkeit gelangte.


Niemand wusste, dass es mich an seiner Seite gab und eigentlich wollten wir dies auch genauso beibehalten. Aber unser Glück hielt schon zulange an und so kam es, dass wir letzte Woche doch von einem Paparazzi in einem Restaurant erwischt wurden.


Der Aufschrei in der Presse und bei den Fans war riesig und die Angebote für Interviews überschlugen sich. Den Zuschlag hatte nun Jimmy Kimmel bekommen, da Rob ihn selbst mochte und die Gespräche immer recht locker und lustig verliefen.

Leider befanden sich die Studios für seine Show in L.A. und so saß ich nun alleine hier in New York und Rob würde erst in ein paar Tagen auch hierherkommen.


Er wollte weiterhin versuchen mich vor diesem öffentlichen Leben, welches er führte, zu schützen und wollte daher nur so wenig wie möglich preisgeben.


Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, denn die Show ging in diesem Moment los!


Jimmy Kimmel begrüßte sein Publikum und als er seinen heutigen Gast bat, zu ihm nach vorne zu kommen, wurde die Lautstärke dort im Saal beinahe unerträglich. Das empfand ich hier schon und ich hörte das Ganze nur über den Fernseher, den ich jederzeit leiser stellen konnte.


'Oh Rob, wie geht es dir dann nur gerade?', dachte ich traurig.

Ich wusste, dass er seine Fans liebe, aber er verstand dieses Gekreische einfach nicht und kam immer noch schwer mit dieser Art von Aufmerksam klar.


Nachdem das Publikum sich dann aber endlich einmal ein wenig beruhigt hatte und die beiden Platz genommen hatten, begrüßte Jimmy freundlich seinen Gast: „Willkommen in der Show, Rob! Wie geht es dir?“


Rob strich sich durch die Haare, wie er es sooft tat, wenn er versuchte seine Unsicherheit zu verbergen. Aber ich sah nur zu deutlich, dass er sich gerade nicht sonderlich wohlfühlte in seiner Haut.


Daher fiel seine Antwort auch erst einmal nur kurz und knapp aus: „Danke, gut!“


Jimmy hielt dann das Magazin, welches Rob und mich nur zu deutlich zeigte, in die Kamera.

Aus dem Publikum hörte man die verschiedensten Rufe. Einige schienen sich zu erfreuen und wiederum andere machten mit Buh-Rufen ihren Groll gegen uns deutlich.


„Wir sehen dich hier auf dem Titelbild mit dieser jungen, hübschen Dame, wie ihr gerade dabei seid ein Restaurant in New York zu verlassen!“, sagte Jimmy zu Rob.


Der Blick des Moderators ging immer wieder fragend in seine Richtung, als ob er die Hoffnung hatte, dass Rob darauf eingehen und sich äußern würde. Aber den Gefallen tat er Jimmy nicht und wartete mit Absicht auf eine direkte Frage von ihm.


Das merkte er auch und hörte mit seinem Herumgeschwafel auf und fragte kurz, knapp und direkt: „Stimmt es, dass du verlobt bist mit dieser hübschen Unbekannten?“


Als Jimmy das sagte, tippte er auf den nur zu deutlich erkennbaren, rot umrandeten, extra vergrößerten Ring – meinem Ring!


Eigentlich müsste Rob auf die Frage nicht antworten. Das tat der Ring selbst bereits und unsere Blicke für einander, aber er sagt trotzdem mit einem Grinsen: „Yeah, sieht ganz so aus!“


Die nächste Frage an Rob war zu erwarten: „Wer ist sie?“


Ich konnte selbst hier vor dem Fernseher die Spannung im Studio spüren. All die Rufe und Stimmen des Publikums waren verstummt und es schien, als hielten alle die Luft an. Niemand wollte den Moment verpassen und bei Rob's Antwort fing ich hier herzhaft an zu lachen. Oh man, wie ich diesen Kerl liebte!


„Meine Verlobte!“


Jimmy Kimmel entglitten für eine Sekunde alle Gesichtszüge, denn er hatte sich jetzt mehr erhofft. Rob musste auch sichtlich damit kämpfen, nicht in schallendes Gelächter auszubrechen.


Aber er konnte sich zusammenreißen und meinte nur recht trocken: „Ich meine, was wollt ihr alle hören?“, eine rein rhetorische Frage, „Meine Geliebte? Meine Seelenverwandte? Meine beste Freundin? Die Liebe meines Lebes? Oder das sie die zukünftige Mrs. Pattinson sein wird?“


Ich kannte die Antworten auf all seine Fragen – JA!!!

Aber er und ich wussten beide nur zu gut, dass es nicht das war, was Jimmy und die Zuschauer hören wollten.


Er würde nicht mehr bekannt geben. Mein Name würde hier und heute nicht fallen und auch sonst keine weiteren Details – weder zu meiner Person, noch zu unserer Beziehung.


Jimmy's Blick war genauso, wie ich es erwartet hatte – er schaute entgeistert zu Rob und die unausgesprochene Frage, ob das jetzt wirklich sein Ernst sei, war deutlich in seinen Augen zu lesen.


Aber er war Profi und fing sich recht schnell und so kam seine zu erwartende Frage gleich: „Also gibst du uns keine weiteren Details und auch nicht ihren Namen?“


„Nope!“, sagte Rob nur leicht kopfschüttelnd und führte dann fort: „Sie ist keine Person des öffentlichen Lebens. Das habe ich mir mehr oder weniger ausgesucht, aber sie nicht. Sie hat damit nichts zu tun und wir wollen es beide dabei belassen. Diese Beziehung mit ihr ist das wertvollste, was ich in meinem chaotischen Leben habe und ich möchte dies privat halten und auch die Presse und meine Fans darum bitten, dies zu respektieren!“


Sein Blick ging bittend in die Richtung des Publikums - sowohl an das im Studio direkt und durch die Kamera auch an alle vor den Fernsehern. Sein Blick war so intensiv und ein jeder konnte die Wichtigkeit seiner Bitte deutlich in seinen Augen lesen und so beendete er seine kurze Rede mit einem schlichten „Danke“.


Mein Blick hingegen war verschwommen, denn ohne etwas von uns zu verraten, hatte er mir hier vor so vielen, für uns fremden Menschen noch einmal deutlich gezeigt, wie sehr er mich liebte!

Das beruhte auf Gegenseitigkeit, denn nicht nur für ihn war unsere Beziehung alles. Auch mir bedeutete sie so unendlich viel. Er war mein absoluter Lieblingsmensch und das wertvollste in meinem Leben.


Rob hatte das Studio inzwischen längst verlassen.

Ich nahm den Fernseher gar nicht mehr richtig wahr.

Mein Blick lag verträumt auf meinen Ring und ich dachte an meinen Verlobten. Ich war so sehr in meinen Gedanken versunken, dass ich das Klingeln meines Handys nur in der Ferne wahrnahm.


Aber ich schaffte es, dann doch noch rechtzeitig im Hier und Jetzt zu landen und als ich die Anrufer-ID mit dem dazu gehörigen Bild sah, legte sich ein Lächeln auf meine Lippen – Rob!

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