Charakter ausdenken, erstellen , wachsen lassen

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Charakter ausdenken, erstellen , wachsen lassen

Beitrag von Katie am Fr Feb 09, 2018 11:22 am

Wie lasst ihr Charakter zum Leben erwecken? Habt ihr einen bestimmten Typus, den ihr immer wieder verwendet? Plant ihr eure Charakter oder lasst ihr sie während des Schreibns von selbst entwickeln? 
Erzählt einfach, die ihr bei eurer Charakterentwicklung vorgeht Smile

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Re: Charakter ausdenken, erstellen , wachsen lassen

Beitrag von Bianca am Fr Feb 09, 2018 6:05 pm

Halb, halb würde ich sagen. Ein paar Eigenschaften, Macken und Eigenheiten plane ich vorher, besonders wenn es Dinge sind, die ich unbedingt in der Geschichte haben will. Denke bisschen über die Hintergründe des Charakters nach, innere und äußere Motivation, damit ich erst mal grundlegend weiß, wer dieser Charakter ist, aber ich lasse mich danach auch gerne von der Figur innerhalb der Geschichte überraschen. Manchmal kommen mir einfach beim Schreiben auch super Ideen, die ich so nicht vorhergesehen habe und deswegen bemühe ich mich auch, den Plan des Charakters nicht zu eng zu ziehen, damit diese spontanen Ideen eben auch Platz haben.

Bei der Entwicklung lege ich einiges schon vorher fest, schon allein, weil ich bei den Projekten, an denen ich vorher wirklich plane, eben auch den Character Arc direkt plane und da ist die grundlegende Entwicklung einfach mit dabei. Mir persönlich hilft es auch zumindest den Anfang und Endpunkt immer vorher im Kopf zu haben. Wie ist mein Charakter jetzt? Wie soll er am Ende sein?
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Re: Charakter ausdenken, erstellen , wachsen lassen

Beitrag von MrSandman am Mo Feb 12, 2018 1:43 pm

Charakterbasierende Fiktion finde ich persönlich am reizvollsten, daher "designe" ich die Charaktere schon bevor der Plot schon endgültig feststeht. Meistens weil ich schon ein genaues Bild einer authentischen Person im Kopf habe, der ich dann eine "Funktion" in der Geschichte zuordne und daran gekoppelt auch schon eine Charakterentwicklung festmachen kann. Das mache ich schon, bevor ich ein Wort der Geschichte geschrieben habe, erst dann wird der Plot nach und nach festgezurrt... Mit den meisten Charaktere funktioniert immer ganz gut, ab und zu muss man aber kleine Anpassungen an Plot oder Charakter vornehmen, damit das große Ganze noch stimmt.

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Re: Charakter ausdenken, erstellen , wachsen lassen

Beitrag von EINsamer wANDERER am Di März 06, 2018 4:54 pm

Das Thema Figuren ist derart komplex und vielfältig, dass man allein darüber ein ganzes Buch verfassen könnte. Deshalb möchte ich versuchen mich nur auf die wichtigsten Variablen und Größen zu beschränken.

Erst einmal muss feststehen, was ich vom Umfang her überhaupt schreiben will. Ist es eine Kurzgeschichte? Mehrere kleine Kapitel oder sogar ein(e) Roman(-reihe). Für eine kleine Handlung reicht meist ein eher schablonenhafter Charakter, während man bei einem Roman schon eher ins Detail gehen kann.
Außerdem muss ich wissen wie wichtig mir die Figuren für die Handlung überhaupt sind. Es gibt Geschichten wo die Ereignisse einfach primärer sind als die Darstellung der Hauptfigur, was beispielsweise im Horror-Genre recht üblich ist. Dort geht es um den Schrecken und die Angst die durchlebt werden, statt irgendwelche Familienprobleme. Siehe Lovecraft, zum Bleistift.
Darauf muss die Position und Funktion innerhalb der Handlung geklärt werden. Es wäre Verschwendung eine Bio über fünfzehn Seiten anzulegen für einen Charakter der nichts sagt und schon nach ein paar Sätzen das Zeitliche segnet. Für eine wichtige Nebenrolle wäre es unter Umständen schon angemessener (abhängig vom Umfang der Handlung).
Dann kommen für mich die Fertigkeiten und Kompetenzen (Die Defensivkraft). Wie soll ich in der Handlung passende Konflikte und Gefahren einbauen, wenn die Figur nichts kann oder für die Situation nicht ausgelegt ist. Andersherum geht es auch nicht. Wenn ich den Plot und die damit verbundenen Hürden habe, aber die Figur ihnen nicht gewachsen ist. Das könnte zu Plotholes, dem Herausschreiben des Charakters oder sogar Deus Ex Machina führen. Ein einfaches Beispiel: Ich habe einen Bauerntölpel der nach zwei Kapiteln zum Auserwählten wird und eine Streitmacht gegen das Böse anführen soll. Ich brauche dafür jemanden der etwas über den Kampf und Krieg weiß. Strategie, Diplomatie sowie Politik (um Verbündete zu genieren oder aber um über das Wissen der Bündnisse des Gegners zu verfügen), Kampf, Organisation (von Versorgungslinien, etc). Und da kann er meinetwegen zehnmal ein unbesiegbares Zauberschwert haben. Wenn ich ihm diese Kompetenzen einfach andichte ist das ein Logikfehler. Entweder gebe ich ihm die passenden Leute oder er kann seine Armee vergessen.
Und damit habe ich mehr oder weniger mein Grundgerüst für die Geschichte abgefrühstückt. Jetzt kann ich ins Detail gehen. Dadurch wird es allerdings schwammiger.
Habe ich ein persönliches Ziel für die Figur? Einfaches Beispiel: Die Figur ist eine pubertäre Zicke und ich soll sie zu einem netten Mädchen machen. Dafür muss ich bestimmte Trigger-Momente einbauen und die richtige Interpretation einfügen. Wenn die Zicke mit ihren Handlungen konfrontiert wird kann sie dies einfach verleumden oder aber sie erkennt sich selbst. Anders ist es aber wenn ich eine Ereigniskette für die Handlung plane und die Figur vernachlässige, wodurch sie mehr Freiheiten hat sich zu entfalten, weil ihre Entwicklung letztlich egal ist, solange sie so handelt wie ich es brauche.
Dann erst kommen wir zur eigentlichen Persönlichkeit. Handikaps, Einstellung, Ideologie, etc.
Kommen wir nun zum Handlungsfreiraum selbst. Hier ist es wichtig wie ich die Charaktere anleite. Es ist ein Unterschied wenn ich Figur A sage: "Töte Figur B." Dann ist die Art und Vorgehensweise völlig frei. Anders wenn ich aber sage: "Köpfe Figur B." Dadurch wird vieles festgelegt. Die Art der Waffe beispielsweise. Ich kann niemanden mit einer zerbrochenen Bierflasche köpfen. Außerdem fallen Fernkampfwaffen und Gifte ebenfalls weg. Und das obwohl das Ergebnis vermutlich dasselbe ist. Bei Dialogen arbeite ich allerdings immer nach der ersten Methode, damit sich die Dialoge natürlicher anhören. Die Figur bekommt ein paar Stichpunkte und muss diese in eigenen Worten wiedergeben, sonst würde es hölzern klingen. Improvisiert klingen sie immer besser, auch wenn es einige Übung braucht.
Abschließend möchte ich noch genauer auf den Handlungsfreiraum eingehen. Es ist ein simpler Fakt, dass dieser stark vom Autoren abhängt. Von seinen Anweisungen, Moral und Kreativität. Insbesondere die Moral ist einschränkend und darauf möchte ich als letztes eingehen. Wenn ich einen grausamen Tyrannen haben will, so muss ich diesen auch dementsprechend handeln lassen. Ich kann nicht schreiben, dass er einfach Leute erschießt die ihm nicht gefallen, das ist absolut nichtssagend. Es ist aber etwas völlig anderes wenn ich Leute über Tage foltern und ihre Kadaver anschließend als abschreckendes Beispiel zur Schau stellen lasse. Ein extremer Charakter braucht extreme Handlungen, ansonsten ist man Out-of-Character. Dabei darf ich mich nicht von Gefühlen oder Gedanken abschrecken lassen. Als Autor sollte ich in erster Linie ein Beobachter sein und deshalb in meiner Rolle Moral und Ethik beiseite legen. Dadurch gewährt er sich selbst mehr Freiraum und somit auch der Figur. Die Figur kann die Grenzen des eigenen Schöpfers nicht überschreiten. Sie können das höchstens gemeinsam machen.

Das sind meine Methoden und Gedanken grob umrissen. Letztlich lässt sich aber alles auf eine einfache Formel herunterbrechen: Was habe ich und was brauche ich noch?
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